Liefert der Koran eine Begründung für das Fasten-Ritual?

Gibt es irgendwo im Koran eine Begründung dafür, warum ein Muslim im Ramadan nachts (bzw. während der Dunkelheit) essen darf? In der Sure 2 finde ich nur, DASS Muslime nachts essen dürfen, aber das wird dort nicht erklärt oder begründet. Mich interessiert dazu eine Aussage im Koran selbst, nicht von menschlichen Auslegern. Herzlichen Dank!!! - Olaf
(Ich bin LER-Lehrer und unterrichte christliche und muslimische Kinder und möchte meinen Schülern gerne diese Frage beantworten.)
Liefert der Koran eine Begründung für das Fasten-Ritual?
Islam

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Die Antwort auf die Frage liegt in der Begründung für das Fasten selbst. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, insbesondere in den Hadithen, dass das Fasten für Gott/Allah selbst ist. "Jede Tat des Sohn Adams wird vom 10 bis zum 700fachen vervielfacht (und) Allah sagt: Außer das Fasten, das ist ausschließlich für MICH und ICH alleine werde dafür belohnen. Er lässt ab von seinen Trieben (Gelüsten) und dem Essen wegen MIR." (überliefert von Muslim)
Festgelegt wurde demnach das Fasten für den Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Danach, in der Nacht, ist die Zeit für das Essen und Trinken. Die Begründung liegt also in dem Gebot selbst.
Immer wieder wird der Koran als alleinige Grundlage genommen, um eine Antwort auf eine Frage zu finden. Dies wird weder dem Koran noch der islamischen Religion gerecht. Ein negatives Beispiel dafür ist der IS, der genau das tut.
Der Koran als Grundlage für Antworten kann nur verstanden werden, wenn man von der arabischen Sprache ausgeht und sie analysiert, ihn im historischen Kontext betrachtet und auch im Kontext der Hadithe. Im Koran selbst wird immer wieder darauf verwiesen, dass sich die Religion durch die Lebensweise des Propheten den Menschen zeigt. Diese Lebensweise wird in den Hadithen sichtbar. Es ist also nicht möglich und inhaltlich fahrlässig, Aussagen aus dem (deutschsprachigen) Koran ohne jegliche Bezüge abzuleiten.  -  Annet Abdel-Rahman

Ihr Kommentar: 

Hallo Annet, vielen Dank für Ihren Versuch, mir zu antworten.
Ich kann aus Ihrer Antwort nur herauslesen, dass es für die Festlegung der Tageszeit als Fastenzeit keine Begründung im Koran gibt. Während der Nacht darf gegessen werden, basta. Eine Begründung für diese Festlegung gibt es im Koran selbst nicht, richtig?
Wie wird denn diese Tag/Nacht-Differenzierung im Islam außerhalb des Korans begründet? Meine Schüler fragen mich nach dem "warum", sind sie etwa die einzigen, die das fragen? - Olaf

Ihr Kommentar: 
Hallo Olaf, das war kein Versuch, zu antworten, sondern ich habe geantwortet ;-).
Der Kernsatz meiner Antwort war, dass das Fasten ein Gebot ist, welches gläubige Muslime allein deshalb befolgen, weil sie es für Gott tun möchten. Es spielt daher keine Rolle, ob es nachts ist oder ob es vier oder fünf Wochen dauert. Die Begründung für das Fasten liegt im Willen des Einzelnen einen Gottesdienst auszuüben. Das ist vielleicht schwer zu verstehen für Menschen, denen spirituelle Bezüge fremd sind und die selbst nicht glauben. Vielleicht fragen Ihre Schülerinnen und Schüler genau deshalb nach der Begründung der Norm (Tags/Nachts), weil ihnen die Beziehung zwischen Mensch und Gott unbekannt oder unwichtig ist und sie ihnen daher als Grund nicht ausreicht. Die Begründung liegt also nicht in einem menschlichen Erfassen des Sinns von Tag/Nacht Begrenzung für das Fasten, sondern in der Hingabe an Gott, dieses Gebot zu erfüllen.
Natürlich kann man sich mit der Frage der Tag/Nacht Differenzierung beschäftigen. Sie hat dann aber mit dem Fasten als solches nichts mehr zu tun, da die Beantwortung der Frage (wie auch immer) für das Fasten irrelevant ist.
Um eine Religionen zu verstehen ist es wichtig, die Zugänge der Gläubigen zu ihren „Weisheiten/Texten“ zu verstehen. Dabei ist nicht immer alles mit menschlichen Kategorien erklärbar. Das kann man gut oder schlecht finden, aber es kann das Verständnis für Gebote oder Verhaltensweisen der Gläubigen wesentlich erhöhen.
Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter.
Herzliche Grüße auch an Ihre Schülerinnen und Schüler.
Annett

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Anmerkung der Redaktion: Die Gebote und Lebensregeln gelten in jeder Religion als gegeben. Sie stehen auch ohne Begründungen nicht zur Diskussion. Ebenso gilt ihre Befolgung als Gottesdienst oder Liebesdienst Gott gegenüber. Das gilt auch für die Fastenzeiten. Darüber nachzudenken ist aber nicht verboten. So wäre der konsequente Verzicht auf Essen und Trinken über einen Zeitraum von einigen Wochen mit dem Leben ja gar nicht vereinbar. Die Gebote der Religionen sichern das Überleben jedoch auf unterschiedliche Weise. Christen beschränken das Fasten zum Beispiel auf bestimmte Nahrungsmittel oder Tätigkeiten. Muslime unterbrechen das konsequente Fasten in der Nacht - kehren ihren Tagesablauf in punkto Essen und Trinken damit quasi einfach um. So gibt es die Sure 2:187 vor, wie Sie es ja selbst schon richtig angemerkt haben. Andere Glaubensgemeinschaften fasten auf noch andere Weise. Vielleicht lassen Sie Ihre Schüler*innen in dieser Richtung einfach einmal selbst überlegen....??? - Jane

Ihr Kommentar: 

Ich freue mich über diese Frage, die eine so interessante Antwort ergeben hat! Ich habe mich bisher noch nicht viel mit Religion beschäftig, finde Ihre Antwort aber sehr spannend und anregend zum nachdenken. Vielen Dank Annett und Jane! - Laro

Ihr Kommentar: 

Selten soviel Schwachsinn gehört. Sicher gibt es im Christentum auch Gebote, aber diese können und werden alle in der Bibel erklärt. Da gibt es nicht solche schwammigen Geschichten, wie im Koran. - Sina

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